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Wir trauern um unser BUZO-Gründungsmitglied Dr. rer. nat. Volkhard Jung, verstorben am 11. Mai 2026 mit 92 Jahren.
Er ist 1934 in Ostpreußen geboren, studierte Physik in Heidelberg und arbeitete seit 1968 am Kernforschungszentrum im Bereich Neutronenforschung für Supraleiter.
Mit der Mitgliedsnummer 001 gründete er am 20.4.1971 zusammen mit Hans-Helmuth Wüstenhagen anlässlich einer geplanten Erweiterung der Karlsruher Raffinerien die Bürgeraktion Umweltschutz zentrales Oberrheingebiet e. V. (unter dem Kürzel BUZO bekannt). Wie mir sein Sohn erzählte, gab es samstags mangels moderner Kommunikation immer lange Telefonate mit Herrn Wüstenhagen in Sachen Umweltschutz, außerdem arbeitete er seit Beginn 1971 beim Vertrieb der Vereinszeitung „Umweltschutz“ mit.
Schon früh interessierte sich Herr Jung für Verkehrsthemen. Unter dem Titel „Der Individualverkehr ist nicht die einzige Lösung“ hielt er schon 1976 im Umweltzentrum Kronenstr. 9 einen Vortrag, in dem er die Umweltbelastung des Brennkraftindividualverkehrs mit der Umweltbelastung des öffentlichen Verkehrs (Busse und Bahnen) verglich.
Später engagierte er sich in der neu gegründeten BUZO-AG Verkehr mit zwei ihm wichtigen Themen für den ÖPNV:
1. Er war Miterfinder der von ihm so benannten „Cyclobahn“. Funktion: Fahrgleise unterirdisch, Haltestellen oberirdisch. Vorteil ist die Energieeinsparung, durch Unterstützung der Schwerkraft. Eine genauere Beschreibung würde den Umfang dieses Nachrufes sprengen. Es gibt aber unter Kurz: umverka.de/b3 = Lang: https://publikationen.bibliothek.kit.edu/240014725 einen Hinweis auf eine Publikation.
2. Zusammen mit einem weiteren Mitstreiter der AG, Dieter Kruk (verstorben 2016), entwickelte er 1982 ein Modell für ein Nahverkehrssystem in der Region unter weitgehender Verwendung vorhandener Bundesbahntrassen (N-Bahn-Schrift). Sie war der Vorläufer für ein ähnliches System, welches 1992 vom damaligen VBK-Chef Dieter Ludwig unter dem Namen „Karlsruher Modell“ mit Zweisystem-Stadtbahnen realisiert wurde.
Sehr engagiert war Herr Jung beim Bürgerbegehren zur geplanten Nordtangente — Die Waldstadt lehnte das Projekt mit überwiegender Mehrheit ab und die ganze Familie war beim Sammeln der Unterschriften aktiv dabei. Auch gegen den Bau der neuen Landesstraße L 560 zur Umgehung von Hagsfeld und Blankenloch im Westen 1980, die östlich der Waldstadt geplant war und den Wald nördlich davon zerschnitt, setzte er sich — leider vergeblich — ein.
Mehr private, sehr angenehme Erinnerungen an Volkhard Jung gibt es zu mehreren legendären Fahrrad-Elsasstouren der AG Verkehr, wo er bei hitzigen Suchen nach der Weltformel in bier- und weinseliger Laune ausgleichend und mäßigend wirkte. Man habe ihn nie schlecht gelaunt erlebt, was in der heutigen Zeit eher selten ist. Seine an uns gestellte Denksportaufgabe des "maximalen Wandererdurchsatzes der Wutachtalschlucht" beschäftigt uns noch heute. Er war halt immer Physiker.
Hans Seiler und Rainer Schneider